Stand: 22.07.2010 |Autor: ca

Die Schüler bei der Aufführung des Theaterstücks auf der Bühne des Jugendzentrums.
Sozialkritisches Theater im JUZ
Harter Schulalltag
Weiden. Ein Schulhof, Kinder und Jugendliche, die in Grüppchen zusammen stehen oder sitzen, eine Lehrerin als Aufsichtsperson, ein weiteres Mädchen betritt den Schulhof und wird prompt von den anderen gehänselt. Man stelle sich irgendeinen Schulhof in Deutschland vor. Denn das, was die Theatergruppe der Max-Reger-Schule auf die Bühne bringt, passiert genau so jeden Tag. Das Theaterstück trägt den Titel: „Wo die Liebe hinfällt“
Auch Vorprogramm geboten
Die 25 Schüler und Schülerinnen der sechsten. bis zehnten Jahrgangsstufe haben auch bei der diesjährigen Premiere der Theater – AG Spielfreude und Talent bewiesen.
Der große Saal des Jugendzentrums ist bis auf den letzten Platz gefüllt, denn wie die letzten Jahre auch schon, sind nicht nur viele Lehrer und Eltern anwesend, sondern auch Stadträte und Gäste. Und diese werden einen unterhaltsamen Abend erleben, das verspricht schon der Überraschungsauftritt der Tanzgruppe der Hauptschule Grafenwöhr. Diese tanzt zu Michael Jacksons Klassiker „Thriller“, komplett mit Masken, zerfetzter Kleidung und Pappsarg auf der Bühne.
Dann beginnt das eigentliche Stück. Jenny, die aus gutbürgerlichem Haus stammt, versucht verzweifelt die Aufmerksamkeit und Liebe Ihrer beruflich eingespannten Mutter zu erhalten. Diese aber hetzt von einem Termin zum nächsten, hat nur selten Zeit sich um Ihre Tochter zu kümmern. Ein gemeinsames Mittagessen gibt es so gut wie nie, das Essen steht am Herd oder es liegt Geld am Tisch bereit.
Jenny ist verzweifelt. Sie sehnt sich doch nach Liebe und Anerkennung, aber auch in der Schule wird sie nur als „Prinzesschen“ verlacht. Apropos Schule: die Figur der Lehrerin ist ein echtes Schreckensbild: mit lauter, schriller Stimme versucht sie sich durch Schreien Aufmerksamkeit zu verschaffen. Oh je. Bleibt zu hoffen, dass es solche Lehrkräfte in Wirklichkeit nicht zu viele gibt!
Aber zurück zu Jenny: Nach einer heftigen Auseinandersetzung mit Ihrer Mutter reißt das Mädchen aus und muss sich nun auf der Straße zurecht finden. Die Bekanntschaft mit einem jungen Mann scheint ihr das Leben zu versüßen oder geht es ihm doch nur um rein körperliche Liebe? Wie leicht man das als junger Mensch in Jennys Lage, auf der Suche nach Zuneigung verwechseln kann, ist auch ein Thema des Stückes.
Die Inszenierung des selbst erarbeiteten Stückes ist gelungen und verbindet Sprechtheater, mit Sprechgesang und Tanzelementen. Mit vereinten Kräften wird die Bühne zwischen den Szenen umgebaut. Auch das ein Zeichen dafür, dass die Kinder und Jugendlichen verschiedenen Alters und mit sehr unterschiedlichen ethnischen Hintergründen, durch die gemeinsame Theaterarbeit zusammen gewachsen sind, Vorurteile abgebaut haben und in der Gruppe Halt fanden. Und darum geht es dem Stück schließlich: auf die Probleme der Jugend hinweisen – darauf, dass viele zu Hause zu wenig Halt und Unterstützung erfahren, dass junge Menschen sich auf dem Weg zum Erwachsenwerden erst einmal zurecht finden müssen und eine eigene Identität finden.
Ein gelungener Abend der zu Recht mit viel Applaus belohnt wurde.
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