Special
Ein Tagebuch erzählt
Überblick
Zunächst stellen wir in mehreren Folgen einen jungen Weidener aus der Bauscherstraße als Soldaten vor. Georg Dantl wird als junger Mann in die Wehrmacht eingezogen. Bis über das bittere Ende hinaus.
Georg Dantl macht seine Grundausbildung im ostböhmischen Pardubitz. Er muss den Fahneneid auf den „Führer und Reichskanzler“ schwören. Das Attentat auf Hitler erlebt sein Bataillon im Alarmzustand.
Im Nordosten Böhmens wird die Grundausbildung im Städtchen Jitschin fortgeführt. Es folgt in Neustadt an der Mettau der Lehrgang zum Reserveoffizier. Das „Notitzbüchlein“ ist für Georg Dantl ein Tagebuch. Er kann es durch den Krieg und die vielen Jahre der Gefangenschaft mit List bewahren. Heute lässt er daraus seine Vergangenheit lebendig werden.
Bei der militärischen Ausbildung steht das Schießen im Vordergrund. Geübt wird auch die Panzerabwehr und das Panzerüberrollen. Handgranatenwurf, Gefechtsübungen und Nahkampf sind Pflichtprogramm. Zum Abschluss einer strapaziösen Übungseinheit winkt ein geselliger Abend mit den Dorfschönheiten.
In Neustadt an der Mettau herrscht militärischer Routinebetrieb. Um die Stimmung zu halten, gibt es geschlossene Filmvorführungen oder Ausgang in die Stadt. Die Soldaten begegnen erstmals Flüchtlingen aus Schlesien oder Ostpreußen. In Budweis macht die Einheit eine Winterübung und erlebt amerikanische Fliegerangriffe.
Am Ostersonntag 1945 wird die Einheit ins frontnahe Lauban in Schlesien verlegt. Im Grabensystem schleicht sie sich bis auf 60 Meter an die Russen heran. Es fällt kein Schuss. Beide Seiten belauern sich. Es gibt Gerüchte, aber keine sicheren Informationen über die Lage.
Die Russen demonstrieren ihre Überlegenheit. Man erfahrt, dass der Führer „gefallen“ sei. Aber die Gerüchte brodeln. Eine Verlegung ist eigentlich der Rückzug.
Lesen Sie den Beginn des Weges von Georg Dantl aus Weiden in die lange Kriegsgefangenschaft.
Die Tschechen sind nun gut bewaffnet und plündern deutsche Soldaten. SS-Leute werden geschlagen und erschossen. Erst von den Russen gibt es etwas Brot. Übernachtungen im Freien sind an der Tagesordnung, bis man ein Sammellager für Kriegsgefangene erreicht.
Übermüdet und ausgehungert kommt die Hundertschaft am Abend des 15. Mai in der ehemaligen Wehrmachtskaserne in Zittau an.
Der Tagesablauf im Lager ist schrecklich eintönig. Ein Zeitgefühl hat niemand mehr. Arbeiten brauchen die Gefangenen nicht. Nur ab und zu werden sie zum Küchendienst eingeteilt. Mit was kann man sich also alles in Gefangenschaft beschäftigen?
Durch die Lagerzeitung „Die rote Fahne“ werden die Landser mit Nachrichten aus aller Welt versorgt.
Von den Kasernenfenstern aus können die Landser beobachten, dass sich draußen etwas tut. In endlosen Kolonnen ziehen die Russen ab. Schließlich sind die Tage im Lager Zittau für den jungen Weidener Georg Dantl doch gezählt.
Am nächsten Morgen wird wieder weitermarschiert – bis nach Christianstadt. Hier stellt sich heraus, dass dies der Endpunkt der viertägigen „Odyssee“ sein soll. Der junge Weidener Georg Dantl schildert seine ersten Erfahrungen in diesem Kriegsgefangenenlager.
Während die Gefangenen im Lager Zittau „arbeitslos“ waren, weht hier in Christianstadt ein anderer Wind. Sie werden in Arbeitsgruppen zu je 100 Mann eingeteilt. Täglich müssen die Gefangenen zu einem ehemaligen Chemiewerk marschieren, das mitten im Wald liegt, und dort die Produktionsanlagen demontieren und verladen.
In welcher Weise Hunger erfinderisch macht und zu welchen Taten er Menschen treiben kann, sieht Georg Dantl im Laufe seiner Gefangenschaft.
Am 18. September 1945 marschieren die Gefangenen zum Bahnhof von Christianstadt und werden in Viehwaggons gepfercht – 50 Mann in einen Waggon. Die Reise beginnt.
Das Lager gegenüber der „Kopalnia Wujek“ (Oheimgrube) besteht aus sieben großen Wohnbaracken, Blöcke genannt. Hier in Kattowitz werden sie zu Bergleuten „umfunktioniert“. Zwei Tage nach der Ankunft erfolgt die erste Einfahrt in die Kohlegrube – für sie eine spannende Angelegenheit. Die Arbeit auf der Abteilung zehn 370 m unter der Erde vollzieht sich in drei Schichten.
In der Kohlegrube lernt Georg Dantl so gut wie jede Bergmannsarbeit kennen. Doch wegen seines Körperbaus wird er dem Bandmeister als Gehilfen zugeteilt. Die Instandhaltung des langen Förderbandes ist somit seine Aufgabe.
Es geht langsam bergauf im Kriegsgefangenenlager. Ein Wettbewerb "Goldene Fahne" wird veranstaltet, bei dem Zusatzverpflegungen als Gewinn locken. Aber auch allgemein hebt sich der Lebensstandard, auch wenn er noch immer jenseits von normalen Maßstäben ist.
Mit der Kleidung im Lager der Gefangenen ist es schlecht bestellt. Sie muss meist getragen werden, bis sie sich auflöst. Allerdings verbessern sich die hygienischen Verhältnisse weiter. Auch ein Wanderzahnarzt kommt in das Lager, aber behandelt dort eher nach der Dr.-Eisenbarth-Art.
Im Allgemeinen werden die Kriegsgefangenen mit Georg Dantl nicht schlecht behandelt. Ein gutes Verhältnis herrscht zu den Oberschlesiern. Sie sehen die Deutschen als gleichberechtigte Kumpel an und versorgen sie in der Arbeit täglich mit einer deftigen Mahlzeit. Man lernt neue Wörter und Wortschöpfungen kennen. Trotzdem müssen die Gefangenen auch immer wieder Schikanen überstehen.
Das Rote Kreuz trifft im Lager ein und verteilt 200 Pakete mit dringend nötigen Dingen wie Zahnbürsten. Aber auch für das seelische Heil wird etwas getan. Musikinstrumente sollen den Gefangenen in ihrer schweren Zeit helfen. Freude herrscht auch über den Briefverkehr in die Heimat. Georg Dantl erhält so zehnmal Post von seinen Eltern und Geschwistern.
Die Beleuchtung bei der Arbeit in der Grube wird durch schwache Akkus schwierig. Auf Seiten der Unterhaltung tauchen plötzlich Bücher auf. Auch Unterhaltungsveranstaltungen mit Tanz und Musik werden abgehalten.
Sind schon die Unterhaltungsprogramme für ein Kriegsgefangenenlager ungewöhnlich, so ist es noch erstaunlicher, dass sogar Sportveranstaltungen durchgeführt werden.
Wenn man einen Zeitungsfetzen ergattert, liest man ihn mit großem Interesse langsam von Anfang bis Ende durch. Im Tagebuch hält Georg Dantl die gehörten oder gelesenen Informationen jeweils fest.
Ab Juli 1947 gibt es eine eigene Zeitung für die deutschen Kriegsgefangenen in Polen mit dem Titel „Die Brücke“. Darin stehen Artikel über Lagererlebnis, Sport und Politik. Wahrscheinlich wird sehr viel darüber geschrieben, wie gut es sich im Nachkriegspolen leben lässt. Dantl beurteilt „Die Brücke“ in seinem Tagebuch sehr negativ als Propagandamittel.
Ende März 1949 kommt für Georg Dantl die Stunde der Erlösung. Eines Tages machen ihn Stubenkameraden darauf aufmerksam, dass sein Name auf der Liste der zur Entlassung vorgesehenen Landser stehe. Er kann es kaum glauben und die Freude ist natürlich riesengroß.
Mit der Rückkehr in die Heimat geht für Georg Dantl ein in vieler Hinsicht außergewöhnlicher Lebensabschnitt zu Ende und er blickte damals einigermaßen ratlos in eine ungewisse Zukunft. Diese ist heute zur Vergangenheit geworden und es wandte sich privat wie beruflich doch alles zum Besten.










